Mit den zehn Plagen räumt der Ewige Schritt für Schritt mit den ägyptischen Götzen auf:
Der Nil, ein ägyptischer Götze, bringt plötzlich Blut und Frösche hervor. Die Sonne, ein ägyptischer Götze, hat plötzlich keine Kraft mehr, und es ist tagelang dunkel. Der Pharao, von den Ägyptern selbst als göttlich verehrt, verliert seinen Erstgeborenen.
Doch ein anderer Götze fällt nicht so direkt – sondern in drei Stufen: das Schaf.
Drei Versuche, das Schaf zu entlarven
Im Wochenabschnitt Bo (2.Mo 10,1 – 13,16) lesen wir, wie Gott versucht, die Schafe in die Häuser zu bringen – und sie damit als Götze zu entehren.
1. Eine indirekte Warnung
„Denn wenn du dich weigerst, sie ziehen zu lassen, und sie weiter aufhältst, siehe, so wird die Hand des Ewigen über dein Vieh auf dem Feld kommen, über Pferde, Esel, Kamele, Rinder und Schafe, mit einer sehr schweren Viehseuche."
(2.Mo 9,2-3)
Die Betonung liegt hier auf „auf dem Feld". Die Ägypter hatten also die Chance, sich vorzubereiten, indem sie das Vieh ins Haus brachten. Heißt im Subtext: Bringt die Tiere ins Haus – auch eure Schafe.
2. Eine direkte Aufforderung
„Und nun lass dein Vieh und alles, was du auf dem Feld hast, in Sicherheit bringen; denn auf alle Menschen und alles Vieh, die sich auf dem Feld befinden und nicht in den Häusern versammelt sind, auf die wird der Hagel fallen, und sie werden umkommen!"
(2.Mo 9,19)
Der Befehl ist eindeutig. Bring die Tiere ins Haus oder sie sterben. Auf der geistlichen Ebene: Entehre die Götzen, sonst vernichte ich sie.
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Ja, ich möchte die 7 Verse sehen3. Wenn die Ägypter es nicht tun, dann eben Israel
„Am zehnten Tag dieses Monats nehme sich jeder Hausvater ein Lamm, ein Lamm für jedes Haus..."
(2.Mo 12,3)
Die Lämmer kommen ins Haus. Doch was hier geschieht, ist sehr speziell. Stell es dir vor: Im ganzen Volk Israel nehmen sich Familien ein Lamm, das für die Ägypter ein Götze ist, ins Haus, bewahren es dort vier Tage lang auf, und am Schluss schlachten, grillen und essen sie es.
Wir können uns vorstellen, dass das bei den ägyptischen Nachbarn nicht gut ankam. (Die Tradition sagt, dass hier ein weiteres Wunder geschah, weil in diesen Tagen keine Übergriffe der Ägypter stattfanden.)
Mehr als ein Götzenbruch: Eine ganze Volkstransformation
Doch in dieser Phase passiert im Kern noch viel mehr.
Israel war über viele Jahrzehnte ein versklavtes Volk. Es wurde unterdrückt, ihm wurde Gewalt angetan, es durfte nicht selbstbestimmt leben – auch im Alltag nicht. Aus dieser Haltung herauszukommen, ist nicht einfach. Wir wissen alle, wie sehr uns Kultur, Umgebung, Erziehung und Elternhaus prägen. Und wie schwer es ist, diese Prägung abzulegen.
Doch genau das fängt hier an.
Das Volk Israel bekommt seinen eigenen Kalender („dieser Monat soll euch der erste sein") und seinen ersten Feiertag (Pessach). Es löst die Fesseln der Sklaverei und zeigt mit dem Grillen des Lammes, dass es sich von der Fremdbestimmung löst.
Vorbei ist die Zeit, in der die Ägypter ihnen sagen, was sie zu tun haben. Schaut her, was wir mit euren Götzen tun.
Wir wissen: Der Prozess hier beginnt erst. Gott führt das Volk nicht nur hinaus aus Ägypten – er bringt es auch zum Berg Sinai, gibt ihm die Torah und nimmt es als sein Volk an. Schließlich schenkt er ihnen ein eigenes Land. Der Weg vom versklavten Volk zu einem Königreich im eigenen Land.
Wie die Welt auf Israel blickt – damals und heute
Doch es gibt noch einen anderen Aspekt: wie andere Völker auf das Volk Israel blicken.
Das abgrundtief schreckliche Vorgehen der Ägypter ist leider kein Einzelfall der Geschichte. Immer wieder gab es Völker, die der Meinung waren, mit Juden könne man so umgehen: Babylonier, Griechen, Römer, Spanier, Nazis, Hamas. Die Sicht der Welt auf Israel hat sich nur bedingt geändert.
Es ist daher kein Wunder, dass es heute einen Aufschrei gibt, wenn Israel sich wagt zu wehren. Natürlich ist es das Recht jedes Volkes, sich zu wehren und seine Bevölkerung zu schützen. Doch genauso wichtig ist, dass die Welt die Entwicklung anerkennt, die Israel noch immer durchlebt – und entsprechend damit umgeht.
Dabei hilft es, schon jetzt das Ende zu kennen: dass Gott am Ende sein Volk und sein Land zueinanderführt – und dass alle Völker den einen Gott erkennen werden.
Pessach erzählt nicht nur von einer Befreiung von außen, sondern von einer Befreiung von innen.
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