Acht Hintergründe zu den zehn Plagen Ägyptens

Wer im Wochenabschnitt Wa'era (2.Mo 6,2 – 9,35) liest, begegnet den ersten sieben der zehn Plagen, mit denen der Ewige sein Volk aus Ägypten herausführt. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Bestrafungsliste.

Wer genauer hinschaut, sieht etwas anderes: Jede einzelne Plage trägt eine Bedeutung, die man in der einfachen Lesart leicht übersieht. Acht Hintergründe, die das Bild verändern.

Acht Hintergründe zu den zehn Plagen Ägyptens

1. Der Nil – wo einst Säuglinge ertränkt wurden

In der ersten Plage verwandelt sich das Wasser des Nils zu Blut. Und genau dieser Fluss ist der Ort, in den zuvor unzählige hebräische Säuglinge geworfen worden waren. Den Ägyptern dürfte der Zusammenhang schnell klar geworden sein. Es ist die erste leise Erinnerung daran, dass Gott das vergossene Blut nicht vergisst.

2. Plagen gegen Götzen

Die Ägypter waren Götzenanbeter. Sie verehrten unter anderem den Pharao, den Nil und Schafe. Mit den Plagen wird aufgezeigt, wie machtlos diese Götzen wirklich sind. Der Ewige zeigt damit nicht nur seine eigene Macht – er entlarvt die Götter Ägyptens als das, was sie sind: Nichts.

3. „Morgen" – ein Pharao, der lieber leiden lässt

Ging es dem Pharao um sein Volk – oder um sich selbst? Mose fragt ihn ausdrücklich, wann die Plage der Frösche enden soll. Die Antwort: „Morgen."

Warum nicht sofort? Weil Stolz wichtiger war als das Leiden des Volkes. Ein Machtkampf auf Kosten der eigenen Leute.

4. Frösche im eigenen Körper?

Die Plage der Frösche war wohl ungleich unangenehmer, als wir es uns vorstellen. Eine alte Auslegung sagt: Die Frösche waren auch im Körper der Menschen. Der hebräische Wortlaut von 2.Mo 7,29 lässt diese Lesart durchaus zu:

„Und die Frösche sollen in dich und in dein Volk und in alle deine Knechte steigen."

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5. „Hundsfliegen" – oder Wildtiere?

Das hebräische Wort Arov (עָרֹב) wird im Deutschen oft mit „Hundsfliegen" übersetzt. Die jüdische Tradition deutet es jedoch anders: Wildtiere. Löwen, Schlangen, Skorpione, Spinnen drangen in Ägypten und in die Häuser der Ägypter ein.

So oder so eine Plage. Die zweite Lesart erklärt die Reaktion der Ägypter aber besser.

6. Warum Aaron die ersten Plagen brachte

In den meisten Fällen bringt Mose die Plage. Doch bei den ersten drei ist das anders – da soll Aaron seinen Stab ausstrecken: über das Wasser, über die Nilarme, über den Staub. Warum?

Der Nil und der Staub haben Mose einst das Leben gerettet. Der Nil, als Mose als Säugling im Körbchen ausgesetzt wurde (vgl. 2.Mo 2,1ff). Der Staub, als Mose den Ägypter darin vergrub (vgl. 2.Mo 2,12).

Gott achtet darauf, dass Mose seine Dankbarkeit nicht vergisst – auch nicht gegenüber sehr profanen Dingen. Eine leise Lehre für uns: Dankbarkeit kennt keine zu kleinen Adressaten.

7. Trifft das Volk Schuld?

Der Pharao ist verstockt. Aber warum muss das ganze Volk Ägypten leiden?

Die Überlieferung kennt eine Antwort: Das Volk hat begeistert mitgewirkt, als der Pharao den Befehl gab, die hebräischen Söhne in den Nil zu werfen. „Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk und sprach: Werft alle Söhne, die ihnen geboren werden, in den Nil!" (2.Mo 1,22)

Aus Mitläufern werden Mittäter. Und Mittäter werden zur Verantwortung gezogen.

8. Eine Erkenntnis – mitten in der Plage

Bei der siebten Plage, dem Hagel, geschieht etwas Bemerkenswertes. Der Pharao spricht zum ersten Mal eine echte Erkenntnis aus:

„Diesmal habe ich mich versündigt! Der Ewige ist gerecht; ich aber und mein Volk sind schuldig."
(2.Mo 9,27)

Auch wenn diese Erkenntnis nicht lange hält – genau darum ging es die ganze Zeit. Dass alle erkennen, wer der einzig wahre Gott ist.

Anfangs hatte derselbe Pharao noch hochnäsig gefragt: „Wer ist der Ewige, dass ich auf seine Stimme hören sollte? Ich kenne den Ewigen nicht." (2.Mo 5,2)

Auch unter den Ägyptern gab es ein Erwachen. Schon mitten in den Plagen lesen wir: „Wer nun von den Knechten des Pharao das Wort des Ewigen fürchtete, der ließ seine Knechte und sein Vieh in die Häuser fliehen." (2.Mo 9,20)


Und das hat sich bis heute nicht geändert. In allem geht es darum, dass Menschen näher zu Gott kommen und ihn kennen lernen.

Die Plagen waren keine Strafe um der Strafe willen. Sie waren eine Einladung – an die Ägypter, an Israel, und an uns.

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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