Tamim sein: Wenn Vertrauen die Zukunft entwaffnet

Letzte Woche bin ich über einen Vers gestolpert, zu dem ich heute noch ein paar Gedanken teilen möchte (auch wenn er aus der Wochenlesung der vorherigen Woche stammt).

Im 18. Kapitel des fünften Buches Mose warnt Mose das Volk Israel eindringlich davor, die Praktiken der umliegenden Völker zu übernehmen. Wahrsagerei, das Deuten von Omen, Geisterbeschwörung, das Befragen von Toten. Im Grunde alles Dinge, die darauf abzielen, die Zukunft zu enthüllen und Kontrolle über das Unbekannte zu erlangen. Die Tora nennt das einen „Gräuel" für Gott (5.Mo 18,12). Ein starkes Wort.

Aber warum diese strikte Ablehnung?

Tamim sein: Wenn Vertrauen die Zukunft entwaffnet

Fünf Worte, die alles ändern

Die Antwort der Tora ist kein bloßes Verbot, sondern eine tiefe Einladung in die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Es sind nur fünf Worte, aber zusammen ergeben sie einen unglaublich kraftvollen Satz (5.Mo 18,13):

„תָּמִים תִּהְיֶה עִם יְהוָה אֱלֹהֶיךָ" (Tamim tihjeh im Adonai Elohecha)

Auf Deutsch: „Ganz (tamim) sollst du sein mit dem Ewigen, deinem Gott."

Was bedeutet dieses kleine Wort „tamim"?

Es heißt so viel wie ganz, vollständig, ungeteilt, aufrichtig, von ganzem Herzen. Es ist dieselbe Wurzel, die für ein makelloses Opfertier verwendet wird. Interessant, oder?

Es geht also nicht darum, perfekt im Sinne von fehlerfrei zu sein, sondern ungeteilt in der Hingabe.

Raschis Erklärung

Der große Gelehrte Raschi sagt dazu, dass dieser Vers die direkte Alternative zu all der Zauberei ist. Die anderen Völker versuchen, durch Sterne und Rituale herauszufinden, was morgen passiert. Wir aber sollen einfach mit Gott gehen, in ungeteiltem Vertrauen.

Wir müssen die Zukunft nicht kennen, weil wir dem vertrauen, der die Zukunft in Seinen Händen hält.

Und der Clou: Unser Glaube an Gott macht die Vorhersagen der Wahrsager bedeutungslos. Warum? Weil Gott über allen „Bestimmungen" steht. Er kann jederzeit alles ändern.

Das beste Beispiel sind Abraham und Sarah. Nach allen natürlichen Gesetzen und vielleicht auch nach den Vorhersagen der damaligen Sterndeuter waren sie dazu bestimmt, kinderlos zu bleiben. Sie waren einfach zu alt. Aber ihr Vertrauen und ihre Beziehung zu Gott haben dieses „Schicksal" auf den Kopf gestellt, und sie bekamen ihren Sohn Isaak.

Israel braucht keine Wahrsagerei, sondern Bitachon, vollkommenes Vertrauen.

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Vertrauen ohne Verdienst

Und jetzt kommt ein Gedanke, der mich besonders berührt (vom Gaon von Wilna): Dieses Vertrauen in Gott hängt nicht von unseren Verdiensten ab.

Mal ehrlich, wer von uns hat nicht manchmal das Gefühl: „Ich habe so viele Fehler gemacht, warum sollte Gott mir jetzt helfen?" Aber: Selbst wenn unsere Taten nicht perfekt sind, hat unser aufrichtiges Vertrauen in Gott die Kraft, uns zu schützen. Es ist wie ein Akt Seiner unverdienten Güte.

Genau das spiegelt sich in Psalm 32,10 wider: „Wer aber auf den Ewigen vertraut, den umgibt Er mit Gnade." Die Weisen sagen, das gilt sogar für einen Menschen, der Fehler gemacht hat. In dem Moment, in dem er sich Gott im Vertrauen zuwendet, ist er von Seiner Güte umgeben.

Echos in unserer Welt

Selbst in unserer modernen, oft säkularen Welt sehen wir Echos dieses Prinzips. Menschen sprechen von der Kraft der positiven Vorstellung, von Visualisierung, davon, an ein gutes Ergebnis zu glauben. Und sie erleben tatsächlich, wie eine zuversichtliche Haltung ihr Leben verändert. Das ist kein Widerspruch zu unserem Glauben, sondern eine Bestätigung.

Gott hat ein tiefes Gesetz in die Schöpfung eingewoben: Glaube und Vertrauen versetzen tatsächlich Berge.

Anstatt unsere Energie darauf zu verwenden, die Zukunft zu entschlüsseln, sollen wir sie darauf verwenden, unsere Beziehung zum Schöpfer zu vertiefen. Anstatt geteilt zu sein zwischen Sorge und Neugier, sollen wir „tamim" sein. Ganz und ungeteilt in unserem Vertrauen, dass Er uns führt und dass alles, was Er tut, am Ende gut ist.


Wenn wir das wirklich glauben, brauchen wir morgen nicht mehr zu fürchten.

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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