25 Jahre Warten: Wenn alles glattlaufen könnte – und Gott es nicht tut

von Micha Levzion  ·  0 Kommentare  ·  Lesezeit: Minuten

Diese Woche lesen wir die Wochenlesung „Lech Lecha“ (1. Mose 12:1–17:27). Wörtlich heißt dies „Gehe für dich“ oder „Gehe zu dir selbst“. Es ist der berühmte Ruf Gottes an einen Mann namens Abram (der später Abraham heißen wird), seine Heimat, seine Verwandtschaft und sein Vaterhaus zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen wird.

Gleich zu Beginn dieser Parascha finden wir eine der grundlegendsten Verheißungen der gesamten Bibel. Gott sagt zu Abraham:

„Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ (1. Mose 12,2-3)

Stellen wir uns das einmal vor! Ein Mann wird aus seinem gewohnten Leben herausgerufen und bekommt das Versprechen, der Stammvater einer riesigen Nation zu werden. Sein Name soll unvergesslich werden. Durch ihn soll Segen auf die ganze Welt fließen. Das ist mehr, als sich ein Mensch je erträumen könnte.

Aber es gibt ein gewaltiges, offensichtliches Problem, das direkt unter der Oberfläche dieser Verheißung lauert. Um eine „große Nation“ zu werden, braucht man Nachkommen. Man braucht Kinder. Doch wir wissen auch aus dem vorherigen Kapitel, dass Abrahams Frau Sarai (später Sarah) unfruchtbar war. Sie konnten keine Kinder bekommen.

Wie kann Gott eine so unglaubliche Verheißung geben, deren grundlegendste Voraussetzung – ein Kind – unerfüllbar scheint? (Vor allem für eine so lange Zeit?!)

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Wenn wir in der Bibel weiterlesen, stellen wir fest, dass Abraham und Sarah kein Einzelfall sind. Dieses schmerzhafte Warten auf Kinder begegnet uns weitere Male:

  • Isaak und Rebekka
  • Rahel, Jakobs Frau
  • Hanna, die Mutter des Propheten Samuel
  • Die große Frage: Warum diese wiederkehrende Geschichte von Sehnsucht und unerfülltem Kinderwunsch bei den wichtigsten Personen der biblischen Geschichte?

Die jüdische Tradition findet eine passende Antwort darauf:

„Der Heilige, gelobt sei Er, sehnt sich nach dem Gebet der Gerechten.“ (Jewamot 64a)

Gott sehnt sich nach Gebet!

Das wirft ein völlig neues Licht auf die Situation: Die Verzögerung, das Problem, die Herausforderung ist kein Zeichen von Gottes Abwesenheit oder Gleichgültigkeit. Im Gegenteil.

Denken wir mal anders: Stell dir ein Leben vor, in dem alles immer glatt läuft. Jeder Wunsch wird sofort erfüllt, es gibt keine Probleme, keine Sorgen, keine Nöte. Das klingt zunächst wunderbar, oder? Aber spirituell betrachtet, ist ein solches Leben eine Gefahr. Warum? Weil wir in einem solchen Leben Gott vielleicht gar nicht brauchen würden. Unser Gebet wäre oberflächlich, unsere Dankbarkeit vielleicht selbstverständlich und unser Vertrauen würde nie auf die Probe gestellt und könnte somit auch nicht wachsen.

Darum: Die Herausforderungen, die unerfüllten Wünsche, die schmerzhaften Lücken in unserem Leben sind aus dieser Perspektive keine Strafe. Sie sind eine Einladung. Sie sind eine Einladung Gottes, mit ihm in eine tiefere Beziehung zu treten.

Abraham und Sarah hätten ohne ihre Not vielleicht nie gelernt, so intensiv zu beten und sich so vollständig auf Gott zu verlassen. Die 25 Jahre des Wartens von der Verheißung bis zur Geburt Isaaks waren keine verlorene Zeit. Es war eine Zeit, in der ihr Glaube geschmiedet wurde, ihr Vertrauen vertieft und ihre Beziehung zu Gott so stark wurde, dass sie zu den Eltern des Glaubens für Millionen von Menschen werden konnten.

Und das ist eine tolle Botschaft! Denn, wenn du in deinem Leben auf etwas wartest – sei es ein Partner, ein Kind, eine berufliche Veränderung, Heilung oder eine Antwort auf eine tiefe Frage – dann fühle dich nicht von Gott verlassen.

Vielleicht ist genau diese Zeit des Wartens, diese Herausforderung, ein Zeichen dafür, dass Gott sich nach dir sehnt. Er möchte deine Stimme hören. Er möchte, dass du dein Herz vor ihm ausschüttest. Er möchte, dass du lernst, ihm auch dann zu vertrauen, wenn du den Weg noch nicht siehst.

Probleme und Schwierigkeiten sind oft der Ort, an dem geistliches Wachstum stattfindet. Sie zwingen uns, über uns selbst hinauszuschauen und uns an die Quelle allen Lebens zu wenden. Sie verwandeln unseren Glauben von einer theoretischen Idee in eine gelebte, atmende Beziehung.

Mögen wir in unseren eigenen Wartezeiten nicht verzweifeln, sondern die leise Einladung Gottes hören, ihm näherzukommen.

Mögen wir, wie Abraham, lernen, im Vertrauen zu gehen, auch wenn das Ziel noch in weiter Ferne scheint.

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Micha Levzion schreibt aus Israel für Menschen, die tiefer verstehen wollen, ohne sich mit Schlagworten zufriedenzugeben. In „Schalom Israel“ verbindet er Bibeltexte, Einblicke aus dem Land und persönliche Beobachtungen zu Gedanken, die im Kopf bleiben und im Alltag weiterarbeiten dürfen.

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