Drei weitere Plagen, das erste Pessach-Fest und endlich die Erlaubnis zum Aufbruch.
In der Wochenlesung Bo nimmt der Auszug aus Ägypten immer mehr Fahrt auf. Ein millionengroßes, über Jahrzehnte versklavtes Volk, ohne nennenswerte Rechte und mit bisher wenig Identität, bereitet sich darauf vor, in die Freiheit zu ziehen.
Wie gewaltig wäre es, dieses Großereignis beobachten zu dürfen. (Stell dir vor, ganz Hamburg würde morgen Hals über Kopf loslaufen und Deutschland verlassen. Verrückt.)
Ein unorganisiertes Volk
Doch wir reden hier von einem unorganisierten ehemaligen Sklavenvolk.
Andere Menschen haben viele, viele Jahre darüber bestimmt, was die Israeliten tun sollten, was sie durften und was nicht. Das färbt natürlich auf die Mentalität und das Denken ab.
Aus diesem Volk soll nun ein Volk werden, das sich später, mit der Hilfe des Ewigen, selbst organisiert und in einem eigenen Land leben soll. Natürlich bedeutet das viel Entwicklungsarbeit. Wir sehen in den vielen folgenden Kapiteln, dass dies mit vielen Höhen und Tiefen passierte.
Was ist das erste Gebot?
Spannend ist nun, welches das erste Gebot ist, das der Ewige seinem Volk gibt, nachdem der Sklavendienst aufhört. Was ist das erste, was das Volk braucht?
Es ist eines, mit dem man nicht unbedingt rechnet.
Idee?
Es ist nicht Pessach, der erste große Festtag.
Es ist auch nicht der Schabbat. (Der folgt erst einige Tage nach dem Auszug, vgl. 2.Mo 16,29.)
(Anmerkung: Ja, es stimmt, dass auch schon früher Menschen nach Torah-Geboten gelebt haben, vgl. z.B. 1.Mo 26,5. Doch dem Volk Israel wurde die Torah offiziell erst am Sinai gegeben, so dass sie erst dann zu den Geboten verpflichtet waren. Bis zum Berg Sinai, 50 Tage später, führte der Ewige aber schon einige wichtige Gesetze ein.)
Das erste Gebot, das der Ewige seinem Volk gab, war der Kalender.
„Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll für euch der erste Monat des Jahres sein." (2.Mo 12,2)
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Ja, ich möchte die 7 Verse sehenDie eigene Zeit zurückbekommen
Aber es ist nur allzu logisch. Denn das erste, was das Volk bekam, als die Sklaverei endete, war: die Selbstbestimmung über die eigene Zeit.
Was ein starker Zusammenhang. Sklaverei und die eigene Zeit.
Es ist der Beginn eines neuen Denkens. Die alten Gewohnheiten der Sklaverei, das Reagieren statt Gestalten, das Gehorchen statt Entscheiden, werden natürlich nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber mit der Fähigkeit, nun selbst über die eigene Zeit zu verwalten, beginnt der Prozess der Erneuerung.
Freiheit ist Verantwortung
Freiheit bedeutet nicht nur, nicht mehr unterdrückt zu werden. Freiheit bedeutet vor allem Verantwortung.
Bisher bestimmten andere über den Tag der Israeliten. Wann sie arbeiteten, wann sie ruhten, wann sie essen durften. Nun gibt der Ewige ihnen die Kontrolle über ihre Zeit zurück.
Aber mit dieser Kontrolle kommt auch eine Aufgabe: Sie sollen bewusst mit ihrer Zeit umgehen und ihre Tage nach einem höheren Zweck ordnen.
Ein starker Gedanke, oder?
Drei Fragen für dich
Übertragen wir diesen Gedanken auf unser Leben (als Anregung):
- Wo reagieren wir eher, als dass wir gestalten?
- Inwiefern bestimmen wir wirklich über unsere eigene Zeit?
- Sind wir manchmal Sklaven von äußeren Erwartungen?
Wer seine Zeit zurückbekommt, hat noch nicht alles. Aber er hat das, womit alles andere beginnt.
Deine Gedanken
Was bewegt dich an diesem Beitrag? Ich freue mich über deinen Gedanken.