Das Geländer auf dem Dach: Wer sein, durch den Gutes in die Welt kommt

Im heutigen Wochenabschnitt finden wir ein interessantes Gebot:

„Wenn du ein neues Haus baust, sollst du ein Geländer um dein Dach machen." (5.Mo 22,8)

Mit diesem Gebot — man nennt es Maakeh, was „Brüstung" oder „Geländer" bedeutet — soll sichergestellt werden, dass niemand vom Dach fällt.

Die Tora schreibt dazu, dass es nötig ist, damit man „kein Blut in sein Haus bringt", also keine Schuld auf sich legt.

Das Geländer auf dem Dach: Wer sein, durch den Gutes in die Welt kommt

Erst einmal: Eine ganz normale Sicherheitsvorschrift

Auf den ersten Blick scheint das ein logisches Gebot zu sein. Eine einfache Sicherheitsvorschrift, die es so wohl auch in den meisten anderen Ländern als Gesetz gibt.

Doch wenn wir genauer hinschauen, dann entdecken wir ein tiefer liegendes Prinzip über persönliche Verantwortung und über den Umgang mit unserer Umgebung.

Werfen wir also nochmal einen Blick darauf:

„Wenn du ein neues Haus baust, sollst du eine Brüstung um dein Dach machen, damit du kein Blut auf dein Haus bringst; denn es könnte jemand von ihm fallen." (5.Mo 22,8)

Zunächst geht es natürlich darum, dass wir dafür verantwortlich sind, in unserem persönlichen Umfeld eine sichere Umgebung zu schaffen. Und zwar nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere.

(In der Antike wurden flache Dächer oft als Wohnräume genutzt, weshalb die Sicherheit auf dem Dach entscheidend war.)

Das zugrunde liegende Prinzip ist, dass wir proaktiv handeln müssen, um Schaden zu verhindern. Sei es nun auf einer Baustelle, mit Steckdosen oder eben mit Geländern auf dem Dach oder Balkon.

Eine merkwürdige Formulierung

Doch interessanterweise finden wir im Vers eine merkwürdige Formulierung. Dort heißt es nämlich wörtlich: „damit die Person, die fällt, nicht von deinem Dach fällt."

Was bedeutet „die Person, die fällt"?

Die Rabbiner legen die Stelle so aus, dass im Himmel über eine Person beschlossen wurde, dass sie fällt — „die Person, die fällt". Doch es wurde nicht beschlossen, WO der Unfall passieren wird.

Das bedeutet: Der Ewige sucht nach jemandem, der es verdient, dass das Unheil durch ihn in die Welt kommt.

Wenn im Himmel also beschlossen wurde, dass diese Person fallen soll — lass ihn nicht von deinem Dach fallen. Lass ihn von einem anderen Dach fallen, oder ganz unabhängig von anderen Menschen. Sei du nicht derjenige, durch den Schlechtes oder Unheil in die Welt kommt.

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Ja, ich möchte die 7 Verse sehen

Quelle des Guten sein

Mit diesem Vers wird deutlich, dass wir uns bemühen sollen, eine Quelle zu sein, durch die gute Dinge in die Welt kommen.

Denn es funktioniert in beide Richtungen: Eine Person kann auch die Quelle sein, durch die der Ewige Segen in die Welt bringt.

Praktisch heißt das: Wir sollen uns so verhalten, dass durch uns keine schlechten Dinge in die Welt kommen. Stattdessen sollten wir danach streben, die Vermittler für Gutes zu sein.

Wie bei Job-Angeboten

Es ist wie bei Stellenangeboten: Der Himmel hat beschlossen, dass Person A heute Unterstützung bekommen soll. Wer will derjenige sein, der diesen „Job" annimmt und dieser Person hilft?


Vom kleinen Geländer auf dem Dach zur großen Frage des Lebens: Wer willst du sein in der Kette der Vermittlungen Gottes?

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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