Schmita und Yovel: Warum wir nichts wirklich besitzen

In der Wochenlesung BeHar (deutsch: „Auf dem Berg") begegnen wir faszinierenden Konzepten, die uns viel über soziale Gerechtigkeit und die Beziehung zwischen dem Volk Israel und dem Land Israel lehren.

Schmita und Yovel: Warum wir nichts wirklich besitzen

Schmita – das Schabbatjahr

Wir lesen vom Schmita-Gebot, dem „Schabbatjahr": Alle sieben Jahre soll das Land Israel ruhen und sich erholen dürfen.

Du kannst dir vorstellen, wie revolutionär dieses Gebot auch damals war: Das Land nicht bearbeiten, Schulden erlassen und sogar Sklaven freilassen. (Kein Volk käme von alleine auf solche Ideen.)

„Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Erträge einsammeln. Im siebten Jahr aber soll das Land einen vollständigen Schabbat haben, einen Schabbat für den Ewigen; du sollst dein Feld nicht besäen und deinen Weinberg nicht beschneiden."
(3.Mo 25,3-4)

Yovel – das Erlassjahr

Aber es geht noch weiter. Nach sieben solcher Schabbatjahre, also nach 49 Jahren, folgt das Yovel-Jahr, das Erlassjahr im 50. Jahr (3.Mo 25,10). In diesem besonderen Jahr werden alle Grundstücke den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben. Man hat Länder also immer nur für eine bestimmte Anzahl an Jahren verkauft – je nachdem, wie lange es bis zum nächsten Yovel war. (Ausnahmen gab es für Grundstücke in Städten und für Leviten.)

Diese Gebote von Schmita und Yovel sind besonders und wichtig. Wir lesen im Tanach, dass die Missachtung dieser Gebote zur Länge des babylonischen Exils führte – für jedes nicht gehaltene Schmita-Jahr ein Jahr im Exil (vgl. 2.Chr 36,21; 3.Mo 26,34-35; Jer 25,11-12).

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Warum diese Gebote?

Sie erinnern uns daran, dass letztlich alles Eigentum Gottes ist.

„Besitz" gibt es im Hebräischen nicht

Wusstest du, dass das Wort „Besitz" im Hebräischen immer nur umschrieben wird? Die gängigste Form, yesh li, bedeutet so viel wie „es gibt für mich" oder „es existiert für mich".

Auch andere, weniger gebräuchliche Ausdrücke beschreiben Besitz. Zum Beispiel bedeutet yesh bireshuti wörtlich „in meiner Autorität". Und ani habaalim schel übersetzt sich als „ich bin Herr über…".

Aber es gibt keinen Ausdruck wie „haben", wie wir es aus dem Deutschen kennen.

Diese Ausdrucksweisen sind ein Hinweis darauf, dass wir tatsächlich nichts wirklich besitzen. Alles gehört Gott, der es uns für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung stellt.

Auch das Land Israel

Und das gilt auch für das Land Israel, das das Volk Israel jetzt wieder bewohnen darf – aber letztlich gehört es weiterhin Gott. Er entscheidet, wer dort ist und wer nicht.


Schmita und Yovel sind nicht nur landwirtschaftliche Vorschriften. Sie sind eine wöchentliche, jährliche, jahrzehntelange Erinnerung daran, dass wir Gäste sind – nicht Eigentümer.

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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