Wenn das Land sein Volk ausspeit

Eine Mahlzeit am Schabbat ist nicht nur besonders lecker, sondern auch eine besondere Familienzeit. Oft nutzen wir diese Zeit, um Quiz-Fragen zur aktuellen Wochenlesung zu stellen.

Letzte Woche hatten wir eine sehr interessante: Über wen schreibt die Torah, dass er, sie oder es lieber nicht spucken sollte? Und warum?

Wenn das Land sein Volk ausspeit – die Gesetzmäßigkeit Israels

Hättest du es gewusst? Es ist das Land Israel, das das Volk Israel nicht ausspucken sollte.

Der Vers

„Ihr sollt all meine Satzungen und all meine Ordnungen halten und sie tun, damit euch das Land, in das ich euch bringe, um darin zu wohnen, nicht ausspeit."
(3.Mo 20,22)

Die Geschichte Israels ist bekannt: Genau dieses „Ausspucken" ist schon zweimal passiert. Bei der Zerstörung des ersten Tempels (durch die Babylonier 586 v.d.Z.) und bei der Zerstörung des zweiten Tempels (durch die Römer im Jahr 70 n.d.Z.) wurde das Volk vom Land ausgespien, weil es entscheidende Teile des Gesetzes nicht richtig gelebt hat.

Das Gesetz hängt am Land – und das Land am Gesetz

Beachte den Bezug zum Gesetz. Der Vers knüpft das Leben Israels im Verheißenen Land eindeutig an die Gebote der Torah. Vergleiche dazu auch die Verse aus dem Schma-Israel-Gebet (5.Mo 11,13-17).

Die Zerstörung des ersten Tempels wird traditionell auf tiefgreifende moralische Verfehlungen zurückgeführt – insbesondere Götzendienst, sexuelle Unmoral und verbreitete Gewalt, die die Gesellschaft durchdrangen.

Bei der Zerstörung des zweiten Tempels waren es hingegen nicht solche offensichtlichen Sünden, sondern eher ein zwischenmenschliches Versagen, das die Gesellschaft prägte. Es herrschte ein Mangel an Liebe und Respekt zwischen den Menschen, bekannt als Sinat Chinam – grundloser Hass –, der als zentraler Grund für den Untergang gesehen wird. (Lashon Hara, übles Reden, hat dabei eine große Rolle gespielt.) Dieser Mangel an Solidarität und Mitgefühl führte letztlich zur Zerstörung.

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Hillel der Ältere – eine Stimme gegen den Untergang

Es gab bedeutende Schriftgelehrte und Rabbiner, die auf diese sozialen Missstände hinwiesen. So zum Beispiel Hillel der Ältere (ca. 110 v.d.Z. bis etwa 10 n.d.Z.). Er war einer der führenden Rabbiner seiner Zeit, bekannt für seine Weisheit und sein Eintreten für Ethik und Menschlichkeit. Er betonte die Bedeutung der Nächstenliebe und der Geduld und ist berühmt für das Zitat:

„Was dir verhasst ist, das tue auch deinem Mitmenschen nicht an. Das ist die ganze Tora; der Rest ist Kommentar."

Dieses Prinzip spiegelt seine Antwort auf die Missstände einer Gesellschaft wider, die durch Selbstsucht und mangelnde Empathie gekennzeichnet war.

Was wir festhalten können

Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Land Israel, dem Volk Israel und dem Leben nach der Torah. Und Gott persönlich hat dies so festgelegt.

Auffallend ist auch eine Entwicklung über die Jahrhunderte:

Und auch wenn dies ein langer Prozess in Stufen war und ist, in dem sich der einzige jüdische Staat der Welt etabliert – es ist ein sehr eindeutiges Zeichen, dass Land und Volk wieder zueinander finden.

Je mehr man darüber nachdenkt, desto deutlicher wird, wie verrückt – oder genauer: wie göttlich – diese Geschichte ist. Schließlich sprechen wir über einen jahrtausendlangen Prozess.

Aber das ist noch nicht alles

Bezüglich „Ausspeien" gibt die Torah noch mehr Aufschluss. Von keinem anderen Land der Welt wissen wir, dass es so tiefgreifende Gesetzmäßigkeiten gibt wie für das Land Israel.

Drei Dinge sind eng miteinander verwoben:

  1. Das Land Israel
  2. Das Volk Israel
  3. Das Leben des Volkes Israel nach der Torah

Dieses Zusammenspiel wirkt sich sogar im Kleinsten auf die Landwirtschaft aus:

„Und es wird geschehen, wenn ihr eifrig auf meine Gebote achtet, die ich euch heute gebiete, den Ewigen, euren Gott, zu lieben und ihm mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zu dienen, dann werde ich den Regen eures Landes zu seiner Zeit geben, Frühregen und Spätregen, damit du dein Getreide, deinen Most und dein Öl einsammelst."
(5.Mo 11,13ff)

Wie schon erwähnt, hat die Missachtung der Gebote dazu geführt, dass das Land Israel das Volk ausspeit. (Interessant, dass Besatzungsmächte wie die Römer oder die Griechen genau das verbieten wollten: dass das jüdische Volk nach der Torah lebt. Zufall?)

Ein zweites „Ausspeien"

Es gibt eine weitere Bibelstelle darüber, wann und wie das Land Israel ausspeit. Sie steht in 3.Mo 18,24-26:

„Macht euch nicht unrein durch all dies; denn durch dies alles haben sich die Nationen unrein gemacht, die ich vor euch austreibe. Und das Land wurde unrein, und ich suchte seine Schuld heim, und das Land spie seine Bewohner aus. Ihr aber sollt meine Satzungen und meine Rechtsbestimmungen bewahren und keine von diesen Gräueln begehen, weder der Eingeborene noch der Fremdling, der in eurer Mitte wohnt."

Gott sagt hier, dass das Heilige Land auch andere Völker ausgespien hat – weil sie das Land verunreinigt haben.

Was war es konkret?

Gott sagt: „Macht euch nicht unrein durch all dies…" Damit bezieht er sich auf das, was vorher beschrieben wurde (3.Mo 18). Und hier ging es um verschiedene Verhaltensweisen, durch die sich die Nationen vor den Israeliten verunreinigt hatten: verbotene sexuelle Beziehungen, Ehebruch und andere sexuelle Verfehlungen, Götzendienst mit Kinderopfer.

Israel hat die Torah bekommen – und damit einen hohen Standard, nach dem es leben soll. Doch auch andere Völker haben einen gewissen Standard, nach dem sie leben sollen, vor allem im Land Israel. (Denken wir an Ninive, Sodom und Gomorra, Ägypten.)

In Hesekiel 16,49 lesen wir dazu:

„Siehe, das war die Sünde deiner Schwester Sodom: Hochmut, Speise in Fülle und sorglose Ruhe wurde ihr und ihren Töchtern zuteil; aber dem Armen und Bedürftigen reichten sie nie die Hand."

Passend dazu Psalm 72,12: „Denn er wird den Armen retten, wenn er um Hilfe schreit, und den Elenden, der keinen Helfer hat."

Es gibt noch viele weitere Stellen, aus denen wir herauslesen können, welches Verhalten Gott von anderen Nationen erwartet. Die wichtigsten sind: Götzendienst, sexuelle Unmoral, Menschenopfer, Unterdrückung von Armen und Schwachen (generell schlechtes soziales Verhalten), Aggression gegenüber dem Volk Israel.

Eine grobe Liste der Mächte über Israel

Spannend auch insofern, dass Gott bestimmten Mächten für gewisse Zeiten erlaubt hat, das Land Israel zu besitzen – auch wenn es viele Jahrhunderte einfach brachlag. Anscheinend war ihr Verhalten in dieser Zeit so, dass sie nicht ausgespien wurden.

Wenn wir an die „Ausspei"-Gesetzmäßigkeit denken, ist es aufschlussreich zu fragen: Warum durfte welche Macht wie lange im Land bleiben? Und was sagt uns das über die heutige Situation?


Das Land Israel ist kein gewöhnliches Land. Es lebt mit dem Volk – und mit dem Wort, das es gegeben wurde.

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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