Die Wochenlesung Wajchi ist voller Abschiedsworte und Segnungen. Doch interessant ist, dass nicht alle Worte, die Jakov an seine Söhne richtet, schmeichelhaft sind. Vor allem deshalb, weil Jakov den ein oder anderen von ihnen für sein früheres Fehlverhalten kritisiert. Ruben, Schimon und Levi.
Spannend ist, wenn wir uns anschauen, wie Jakov das macht.
Die Tat in Sichem
Schimon und Levi werden wegen ihrer Tat in Sichem (1.Mo 34) gerügt:
„Verflucht sei ihr Zorn, denn er ist heftig, und ihr Grimm, denn er ist grausam." (1.Mo 49,7)
Ist es dir aufgefallen?
Jakov verurteilt sie nicht als Personen, sondern stattdessen ihren Zorn und die Gewalt, die sie ausgeübt haben. Also ihr Verhalten.
Rubens spätes Wort
Ruben wird für ein anderes Fehlverhalten kritisiert. Die Torah berichtet, „er lag bei Bilha, der Nebenfrau seines Vaters". Es gibt allerdings unterschiedliche Ansichten, was Ruben genau getan hatte.
Auffällig ist, dass Jakov erst jetzt, viele Jahre später, dieses Vergehen anspricht:
„Du bist wie sprudelndes Wasser, du sollst keinen Vorrang haben, denn du bist auf das Lager deines Vaters gestiegen." (1.Mo 49,4)
Wir wissen nicht, warum Jakov so lange mit dieser Kritik gewartet hat. Vielleicht war die Zeit nötig, um mit Weisheit und Gelassenheit darüber sprechen zu können.
Aus diesen zwei Szenen können wir zwei zentrale Prinzipien mitnehmen.
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Ja, ich möchte die 7 Verse sehen1. Kritik am Verhalten, nicht an der Person
Jakovs Vorgehen zeigt, dass Kritik weder verletzend noch destruktiv sein muss. Stattdessen kann sie helfen, Menschen zum Nachdenken anzuregen und Beziehungen zu stärken.
Wenn uns etwas stört, sollten wir das Verhalten klar benennen, ohne dabei die Würde des anderen anzugreifen. Jakov kritisiert Schimon und Levi für ihren Zorn und ihre Grausamkeit, nicht für ihre Identität als Personen („Du bist…").
Indem wir betonen, dass die Kritik sich nur auf eine konkrete Handlung bezieht, zeigen wir dem anderen, dass wir ihn weiterhin respektieren.
2. Den richtigen Moment für Kritik wählen
Jakov kritisiert Ruben erst viele Jahre nach dessen Verfehlung. In der Zwischenzeit konnte er seine Gefühle klären und die richtigen Worte finden.
Auch wir können lernen, uns Zeit zu nehmen, bevor wir Kritik äußern. Das ist vor allem deshalb hilfreich, um die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu haben und um nichts zu sagen, was wir hinterher bereuen.
(Ich weiß, in der Theorie hört sich das einfacher an, als es in der Praxis manchmal ist.)
Kritik mit Liebe
Kritik, die mit Liebe und Weisheit gegeben wird, hat das Potenzial, Beziehungen zu vertiefen und Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen.
Auffällig ist, dass Ruben, Levi und Schimon trotz ihrer Fehlverhalten nicht ausgeschlossen wurden, sondern zu Stammes-Oberhäuptern Israels wurden. (Bei ihrem Onkel Esau und Groß-Onkel Ismael hatte es sich ganz anders verhalten.)
Wer richtig kritisiert, schließt nicht aus. Er macht den Weg frei für ein nächstes Kapitel.
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