Warum Schalom Israel

Schalom.

Im Deutschen sagen wir Frieden. Aber das ist eigentlich nur die Hälfte.

Schalom heißt Ganzheit. Vollständigkeit. Das Heilsein einer Sache, die einmal zerbrochen war. Schalom ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, es ist die Anwesenheit von etwas. Wer einem anderen in Israel auf der Straße Schalom wünscht, sagt nicht „ich hoffe, du hast keinen Streit", sondern „möge alles in dir heil und ganz sein".

Ein einziges Wort trägt eine sehr besondere Tiefe. Nicht umsonst ist es eines der zentralen Worte, mit denen Gott beauftragt hat, sein Volk zu segnen (4. Mose 6,24-26).

Im Hebräischen gibt es Hunderte davon. Begriffe, in denen ganze Lebensanschauungen stecken. Tikkun, das geduldige Reparieren der Welt. Tamid, das Stete, das Wiederkehrende, der Rhythmus, in dem Heiligkeit Gestalt annimmt. Hamtana und Matana, Warten und Geschenk, die im Hebräischen buchstäblich nebeneinanderliegen, mit nur einem Buchstaben Unterschied.

Diese Wörter sind Türen. Und wer sie öffnet, kommt in Räume, die das Deutsche schlicht nicht kennt.

Und genau hier liegt der Schatz.

Über Jahrtausende hat die jüdische Tradition den biblischen Text Schicht für Schicht durchdacht. Jeder Vers wurde in den Händen von Gelehrten zu einem ganzen Universum aus Fragen, Bildern und Konsequenzen. Und das passiert bis heute, jeden Tag, auf der ganzen Welt. Und ganz besonders in Israel.

Aber leider… passiert das nur wenig auf Deutsch.

Wer in unserer Sprache nach dieser Tiefe sucht, findet einige Bücher, einige Websites und damit nur wenig lebendigen Strom an Wissen (so wie im Englischen und natürlich im Hebräischen).

Und das hat einen sehr traurigen Grund.

Vor achtzig Jahren wurde nicht nur der Beschluss gefasst, ein ganzes Volk auszulöschen. Was allein schon eine riesige Tragödie ist, hat auch weitreichende Auswirkungen auf das deutsche Volk gehabt.

Stell dir nur vor, was hätte sein können, wenn es nicht geschehen wäre. Es lässt sich natürlich nur erahnen. Denn Bücher, Lehrer, Übersetzungen, eine ganze Tradition, gewachsen über Generationen, war im deutschen Sprachraum längst zu Hause. Dieser Zugang zu diesem Wissen in deutscher Sprache ist nur einer von so einigen tragischen Auswirkungen.

Und so gibt es heute eine große Lücke. Und in dieser Lücke leben wir.

Und dennoch ist etwas in Bewegung.

In den letzten Jahren lässt sich etwas beobachten, das vor einer Generation noch undenkbar war. Nicht-Juden interessieren sich in wachsender Zahl dafür, was Juden denken, sagen und lehren. Nicht weil sie konvertieren wollen, das Judentum ist ausdrücklich keine missionierende Religion, sondern weil sie eine Tiefe spüren, die faszinierend ist.

Der Prophet Sacharja hat vor zweieinhalb Jahrtausenden ein Bild dafür gemalt:

„In jenen Tagen werden zehn Männer aus allen Sprachen der Völker einen Juden am Saum seines Gewandes festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist."

(Sacharja 8,23)

Was damals gigantisch klang, beginnt heute in kleinen, leisen Anfängen Wirklichkeit zu werden.

Schalom Israel will dazu einen Beitrag leisten. Nicht das ganze Loch füllen, das wäre vermessen. Aber einen kleinen, beständigen Strom an Tora-Wissen auf Deutsch öffnen. Geschrieben für Menschen, die wissen wollen, was wirklich dahintersteckt.

Was hier nicht passiert: Christentum mit hebräischem Anstrich. Oberflächliche Israel-Begeisterung. Endzeit-Spekulationen auf Knopfdruck.

Was hier passiert: Hineingehen in den Text. In die Sprache. In die Spuren, die zwei- bis dreitausend Jahre jüdischer Auslegung gelegt haben. Mit der Frage, was das alles für unser Leben heute bedeutet.

Die Tora ist kein verschlossener Garten. Sie wartet darauf, gelernt zu werden. Auch auf Deutsch.

Möge diese Seite ein Schritt dahin sein.

Dein Micha Levzion