In der Wochenlesung Mikez wird eine dramatische Wendung in der Geschichte von Josef und seinen Brüdern erzählt.
Nachdem die zehn älteren Söhne Jakovs das erste Mal nach Ägypten gereist sind, kehren sie mit Nahrung zurück. Allerdings nur noch zu neunt, da Schimon dortbleiben musste.
Zudem gibt es eine schwere Bedingung: Sie dürfen nur dann erneut Getreide kaufen, wenn sie ihren jüngsten Bruder Benjamin mitbringen.
Jakov, der seinen geliebten Josef verloren hat, ist tief besorgt. Benjamin ist der letzte Sohn von Rachel, seiner verstorbenen Frau, und sein Herz hängt an ihm. Die Vorstellung, Benjamin auf eine riskante Reise zu schicken, so wie damals Josef, erfüllt ihn mit Angst. Deshalb lehnt er entschieden ab.
Ruben scheitert, Juda überzeugt
Zwei seiner Söhne versuchen, seine Zweifel zu zerstreuen. Ruben, der Erstgeborene, probiert es zuerst. Doch Jakov akzeptiert nicht.
Einige Zeit später gelingt es dann Juda, das Vertrauen seines Vaters zu gewinnen.
Warum schafft er es, aber nicht Ruben?
Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Zum Beispiel, weil die Not nun, da die Nahrung beinahe aufgebraucht ist, viel größer ist.
Doch ein Punkt ist besonders interessant.
Wer den Schmerz kennt, dem vertraut man
Rabbi Meir Zlotowitz erklärt, dass Juda in einer ganz besonderen Position ist. Er weiß, wie es ist, zwei Söhne zu verlieren. Er kann also den Schmerz und die Sorgen Jakovs so nachempfinden, wie kein anderer in der Familie.
Diese persönliche, äußerst schmerzhafte Erfahrung und seine aufrichtige Zusicherung, Benjamin sicher nach Hause zu bringen, überzeugen Jakov schließlich.
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Ja, ich möchte die 7 Verse sehenDas ist durchaus nachvollziehbar. Man vertraut jemandem etwas viel eher an, wenn dieser die Bedeutung des Ganzen wirklich nachvollziehen und nachempfinden kann.
Die Verwandlung Judas
Generell hat die Erfahrung, der Verlust der beiden Söhne, und auch die Erlebnisse mit Tamar (1.Mo 38) eine große Veränderung in Juda herbeigeführt. Er ist nicht mehr derselbe Mann wie noch beim Verkauf von Josef.
Diese Transformation bringt ihn dazu, Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für Benjamin, sondern für die gesamte Familie.
So wird Juda schließlich zum Anführer und Vorbild, zum Stammvater des Königtums in Israel.
Wenn aus Wunden Aufgaben werden
Manchmal entstehen aus unseren schwersten Erfahrungen wichtige Aufgaben.
Juda hätte seine Verluste und Fehler in Bitterkeit versinken lassen können. Doch er entschied sich, sie zu nutzen, um Verantwortung zu übernehmen und für andere einzutreten.
Unsere dunkelsten Stunden bereiten oft auf die Mission vor, die wir in der Welt haben. Niederlagen oder Verluste können dann plötzlich ganz anders erscheinen.
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