Gerechtigkeit jagen – warum die Torah ein ungewöhnliches Verb wählt

„Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen, damit du lebst und das Land in Besitz nimmst, das der Ewige, dein Gott, dir gibt." (5.Mo 16,20)

Dieser Vers aus der Wochenlesung Schoftim ist einer der kraftvollsten Aufrufe zur Gerechtigkeit in der gesamten Bibel. Die Wiederholung des Wortes „Gerechtigkeit" ist kein Zufall. Sie betont die absolute Wichtigkeit dieses Prinzips für das Leben des Volkes Israel.

Gerechtigkeit jagen – warum die Torah ein ungewöhnliches Verb wählt

Was Zedek wirklich meint

Das hebräische Wort Zedek („Gerechtigkeit") bedeutet nicht nur Gerechtigkeit im juristischen Sinne. Es umfasst Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und moralische Integrität.

Es geht also nicht nur um Gerichtssäle und Richterurteile. Zedek beschreibt eine Haltung, die sich durch das ganze Leben zieht.

Warum „verfolgen"?

Die Torah verwendet hier das Verb „verfolgen", tirdof auf Hebräisch. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise verfolgt man Feinde oder flieht vor Gefahren.

Hier aber sollen wir die Gerechtigkeit verfolgen, als wäre sie etwas Kostbares, das uns entgleiten könnte.

Gerechtigkeit kommt nicht von selbst. Sie muss aktiv gesucht, erkämpft und verwirklicht werden.

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Das Land als Zeuge

Die Verbindung zwischen Gerechtigkeit und dem Leben im Land ist fundamental. Nur eine Gesellschaft, die auf Gerechtigkeit aufbaut, kann dauerhaft bestehen.

Das Land selbst wird zu einem Zeugen für die Rechtschaffenheit seiner Bewohner. Wenn Ungerechtigkeit herrscht, wird das Land sie „ausspeien", wie die Torah an anderer Stelle warnt.

Was das für uns bedeutet

Für uns heute bedeutet dieser Vers, dass Gerechtigkeit nicht nur ein schönes Ideal ist, sondern eine Lebensbedingung.

In unseren Familien, Gemeinden und Gesellschaften müssen wir aktiv für Fairness, Wahrheit und Rechtschaffenheit eintreten.

Nur so können wir wirklich leben. Nicht nur existieren, sondern ein erfülltes Leben führen, das den Ewigen ehrt und anderen zum Segen wird.


Gerechtigkeit ist kein Zustand, in dem man ankommt. Sie ist ein Weg, den man geht.

Micha Levzion

Micha Levzion

Micha lebt mit seiner Frau und sieben Kindern in Israel und schreibt auf diesem Blog über die Bibel, das Land und den Glauben. Er liebt es, tief in die Texte zu gehen – und das Entdeckte so aufzubereiten, dass es herausfordert, überrascht und mitten ins Leben trifft.

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