Die Zweite Chance – und diesmal machen sie alles anders

von Micha Levzion  ·  0 Kommentare  ·  Lesezeit: Minuten

Im Wochenabschnitt dieser Woche (Wajigasch) erleben wir einen bewegenden Moment: Josef und seine Brüder finden wieder zueinander. Nach jahrelanger Trennung und einem langen „Versteckspiel“ gibt sich Josef endlich zu erkennen – und es kommt zur großen Aussöhnung.

Doch eine Frage drängt sich auf:
Warum eigentlich spielt Josef dieses Spiel? Warum gibt er sich nicht direkt zu erkennen, als seine Brüder das erste Mal nach Ägypten kommen?

Gehen wir dieser Frage einmal gemeinsam nach…

Ein ganz besonderer Gast in der Laubhütte

Während des Laubhüttenfestes werden symbolisch jedes Jahr 7 ehrenvolle Gäste eingeladen – die sogenannten Ushpizin. Es handelt sich hier um besondere Persönlichkeiten der biblischen Geschichte: Awraham, Jitzchak, Jakov, Mosche, Aharon, David und… Josef.

Interessant, oder?

Denn Josef ist nicht nur der einzige der 12 Brüder, im Vergleich zu den anderen 7 Ushpizin ist er auch der einzige, zu dem Gott nicht direkt gesprochen hat. Bei allen anderen erleben wir klare göttliche Offenbarungen, Gespräche, Visionen.

Was Josef von Gott bekam, waren seine Träume. Und das war alles.

Und dann? Mit 17 Jahren wir er von seinen Brüdern verkauft.
Er landet als Sklave in Ägypten. Und dann findet er sich schon bald ganz, ganz unten wieder: Im Gefängnis.

Man sagt, es waren 12 Jahre, die er im Gefängnis war. 12 Jahre!

Das ist eine extrem lange Zeit.

Lass uns an diesem Punkt kurz stoppen.

Denn bemerkenswert ist, dass er in dieser Zeit seinen Glauben nicht verliert.

Tiefer Fall, fester Glaube

Josef sitzt im Gefängnis, fernab von seiner Familie, umgeben von einem gottlosen Umfeld, ohne Aussicht auf Rettung.

Josef ist ganz unten angekommen. Und seine Träume scheinen meilenweit entfernt zu sein.

König David beschreibt diese Situation später in einem Psalm:

„Er sandte einen Mann vor ihnen her; Joseph wurde als Knecht verkauft. Sie zwangen seinen Fuß in einen Stock, sein Hals kam ins Eisen.“ (Psalm 105,17-18)

Keine schöne Lage!

Doch Josef hat den Glauben nicht verloren.

Hier einige Zitate aus dieser Zeit und den folgenden Monaten:

„Joseph sprach zu ihnen: Kommen die Deutungen nicht von Gott?“ (1.Mo 40,8)
(Josef sitzt mit Götzendienern im Gefängnis und… spricht von Gott!)

„Joseph antwortete dem Pharao und sprach: Das steht nicht bei mir. Gott wird verkündigen, was dem Pharao zum Wohl dient!“ (1.Mo 41,16)
(Josef steht vor dem Herrscher Ägypten, hat einen Funken Hoffnung, vielleicht freigelassen zu werden und… spricht von Gott!)

„Gott hat mich fruchtbar gemacht im Land meines Elends.“ (1.Mo 41,52)
(Josef ist mittlerweile 2. Herrscher über eines der größten Reiche der Welt. Er könnte sich zurücklehnen und sich ein schönes Leben machen. Aber… er preist Gott für die herausragende Veränderung in seinem Leben und nennt das Land über das er nun herrscht „Land meines Elends“)

Stark, oder? Josef gibt Gott die Ehre – im Gefängnis, vor dem Pharao und selbst dann noch, als er längst mächtig geworden ist. Er vergisst nicht, wer ihn durchgetragen hat.

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Zurück zur Frage: Warum das Versteckspiel?

Josef ist 2. Herrscher in Ägypten. Er bezeugt Gott. Und das einzige „Reden“, was er von Ihm hat, sind seine Träume.

Und das ist es, was er nun versucht erfüllt zu sehen. Seine Träume!

Im ersten Traum verbeugen sich seine 11 Brüder vor ihm.

Doch als sie tatsächlich vor ihm erscheinen, verbeugen sich nur zehn von ihnen. Benjamin fehlt.

Der Traum hat sich noch nicht erfüllt. Also, was tut er? Er fordert, dass auch Benjamin mit nach Ägypten kommt.

Das passiert. Sie kommen. Alle 11 verbeugen sich. Der erste Traum erfüllt sich. (Der zweite erfüllt sich später, als auch sein Vater nach Ägypten kommt.)

Doch auf was wartet Josef jetzt noch?

Es geht jetzt um die zweite Chance!

Josef prüft seine Brüder, ob sie sich verändert haben. Zehn der Brüder waren neidisch auf Josef. Warum? Weil er bevorzugt wurde. Er war einer von zwei Söhnen von Rahel. Also verkauften sie ihn.

Doch was ist mit dem anderen Sohn von Rahel? Mit Benjamin?

Würden sie es zulassen, dass auch er in die Sklaverei verkauft wird? Sind ihre Herzen noch immer erfüllt von Neid, Eifersucht und Hass?

Josef arrangiert alles, so dass genau diese Situation entsteht: Ein gestohlener Becher in Benjamins Getreidesack. Alle anderen Brüder können nach Hause gehen, Benjamin muss als Sklave in Ägypten bleiben. Was tun die Brüder nun?

Es ist ihre zweite Chance…

…und die Brüder nutzen sie!

Die Brüder kämpfen für Benjamin. Sie stehen füreinander ein. Sie zeigen Reue.

Sie haben sich verändert.

Wow, was eine Geschichte!

Und genau das ist der Moment, auf den Josef gewartet hat.

Jetzt, jetzt kann er sich offenbaren. Weil sich nicht nur der Traum erfüllt hat – sondern auch ihr Herz.

Die zweite Chance

Diese Geschichte ist nicht nur spannend. Sie ist tief.

Denn sie zeigt, wie Gott handelt:

  • Er ist nicht immer laut.
  • Er spricht manchmal nur durch Träume.
  • Aber Er ist da – und Er arbeitet mit zweiten Chancen.

Manchmal erleben wir Dinge doppelt, kreisen um dieselben Themen, stoßen an dieselben Grenzen. Nicht, weil Gott uns ärgern will, sondern weil Er uns die Möglichkeit gibt, es diesmal anders zu machen.

Und vielleicht geht es ja auch uns so wie Josef. Vielleicht haben auch wir Träume, die weit weg scheinen. Vielleicht erleben wir Rückschläge, Enttäuschung, lange Wartestrecken.

Aber vielleicht – ganz vielleicht – sind wir schon viel näher an der Erfüllung, als wir denken.

Gott hat nicht vergessen, was Er uns ins Herz gelegt hat.

Und Er lässt uns nicht los. Auch dann nicht, wenn wir unten sind.

Vielleicht gerade dann nicht.

Irgendwann passt alles zusammen

Josefs Geschichte endet nicht im Gefängnis.

Stattdessen: Versöhnung, Heilung und erfüllte Träume.

Geholfen hat ihm sein großer Glaube und sein Vertrauen in Gott, den er selbst in den tiefsten Stunden seines Lebens bezeugt hat. Diese Treue und Stärke macht ihn zu einem großen Vorbild (weshalb wir ihn jedes Jahr in die Laubhütte einladen).

Und vielleicht – genau wie bei ihm – kommt auch für uns der Moment, wo alles zusammenpasst.

Wo die Vergangenheit Sinn ergibt und wo wir sagen können:

Gott hat mich fruchtbar gemacht und alles mit Seinem perfekten Plan zusammengeführt.

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Micha Levzion schreibt aus Israel für Menschen, die tiefer verstehen wollen, ohne sich mit Schlagworten zufriedenzugeben. In „Schalom Israel“ verbindet er Bibeltexte, Einblicke aus dem Land und persönliche Beobachtungen zu Gedanken, die im Kopf bleiben und im Alltag weiterarbeiten dürfen.

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